Reiseerlebnisse aus Madagaskar 2000 Der 31. März ist ein ganz besonderer Tag. Mit Benny gehe ich in Fianarantsoa einen Hügel hinauf und wir kommen zur Kirche, die von der Route Nationale 7 nicht zu sehen war. Das ist aber noch nicht der Gipfel. Ein Stück weiter oben bleiben wir an einem Stand stehen, um frisch frittierte Taler Kartoffelmus zu essen. Dort spricht mich ein Junge an, der handgemalte Postkarten verkaufen will. Aber so ganz bin ich nicht von den Karten überzeugt. Andere Kinder kommen hinzu. Sie fangen an, uns auf dem Weg nach oben zu begleiten und bieten noch mehr Karten an. Dann erläutern sie auch die touristischen Sehenswürdigkeiten. Wir unterhalten uns mit den Kindern, die sehr nett sind und es gibt viel zu lachen - obwohl zwischendurch immer wieder einmal "donnez" zu hören ist. Ein Junge will fotografiert werden und Benny erklärt ihm, daß es zu dunkel sei. Daraufhin geht er in ein Haus und kommt mit einem Plakat heraus, auf dem zu einem Jesusbild geschrieben steht "Je suis le lumiere (Ich bin das Licht)". So langsam bilden sich kleine Fangruppen heraus, die sich entweder um Benny oder um mich scharen. Als ich davon erzähle, daß ich eine Madagassin heiraten werde, und von den Kindern wissen will, was "Ich liebe sie." auf Malagasy heißt, benutze ich mehrfach den Ausdruck "Tiako ianao (Du, meine Liebe)". Inzwischen sind wir am Gipfel angelangt, von dem man eine beeindruckende Aussicht in die Hügel der Umgebung und über ganz Fianarantsoa hat. Nach einiger Zeit fängt eines der Mädchen an, mir eine am Wegrand gepflückte Blume zu schenken. Eine zweite kommt hinzu und bald habe ich die ganze Hand voll. Benny geht es genauso. Das ist etwas ganz besonderes für uns - daher beschließen wir, den Kindern, die noch bei uns sind, als wir von dem Hügel wieder abgestiegen sind, geröstete Erdnüsse zu kaufen, verabschieden uns und gehen zurück ins Hotel. Als wir dann kurze Zeit später am Abend das Hotel wieder verlassen, kommen zwei Mädchen auf uns zugestürzt, die uns anbetteln wollen, aber eigentlich gar nicht so bedürftig aussehen. Durch unsere Reaktion kommt es dann dazu, daß ich mit dem kleinen Mädchen ein Begrüßungszeremoniell mit der Hand ausführe. Und gleich darauf hakt sich das Mädchen bei mir am Arm ein und schmiegt sich an mich. Dann erfaßt es meine Hand und geht mit mir Hand in Hand durch die Straßen. Das große Mädchen läuft nebenher. Wir sind auf der Suche nach einem Restaurant, um etwas zu essen. Das kleine Mädchen heißt Nivo und ist 8 Jahre alt und das große Mädchen ist 14 und heißt Feno. Ständig wollen sie etwas gekauft haben, sagen, daß sie Hunger haben. Zwischendurch bringen sie uns Wörter auf Malagasy bei. Bei einem billigen Restaurant mache ich Benny dann den Vorschlag, daß wir die beiden mitnehmen und ihnen Reis spendieren. Als die beiden dann ihren Reis haben, fangen sie nur widerwillig an, zu essen und lassen einen Teil wieder von der Gabel fallen. Offensichtlich sind sie also satt. Da die Portionen, die ich und Benny an Nudeln bekommen haben, nicht sehr groß sind, nehmen wir uns jeweils von den Reistellern der Mädchen einen Großteil. Feno bestellt dann Wasser und schüttet es, wie das in Madagaskar Sitte ist, zum Reis. Aber das verbessert ihren Esswillen auch nicht. Draußen finden sich dann drei kleine Jungen ein, die wirklich bedürftig aussehen - Feno sitzt direkt am Ausgang und nimmt plötzlich ihren Teller und kippt den wässrigen Reis in das nach oben gezogene, dreckstarrende T-shirt des einen Jungen, der dann schnell wieder verschwindet. Ich muß kräftig lachen und sage "tsara (gut)" zu Feno. Benny hat das Ganze nicht gesehen, weil er einen ungünstigen Platz hat. Nivo ißt ihren Teller tapfer leer. Als wir das Restaurant (eigentlich eher eine Bretterbude) wieder verlassen, geht der Unterricht mit madagasischen Wörtern weiter. Vor der Ecke zu unserem Hotel befindet sich anscheinend ein Sammelplatz für kleine Herumlungerer und Feno und Nivo erzählen dann wohl, was sie mit uns erlebt haben. Als wir dann beschließen, noch ein weiteres Restaurant zu suchen, weil wir nicht satt geworden sind, ziehen wir mit einer kleinen Schar von Kindern weiter durch die Dunkelheit. Diesmal sind auch Jungs dabei, die sich genauso an uns schmiegen, wie zuvor schon Nivo. Wir erregen mit unserem Troß natürlich die Aufmerksamkeit aller Passanten, denn das dürfte wohl sehr ungewöhnlich sein, daß eine Kinderschar sich an "Vazahas" schmiegt. Als wir dann vor einem weiteren Restaurant entscheiden, hineinzugehen, verabschieden wir uns von den Kindern mit "veloma (tschüss)". Die strahlenden Gesichter der Kinder Madagaskars sind wunderbar! | | Rechts die Blumen der Kinder!
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