Reiseerlebnisse aus Madagaskar
1990




2 Tage waren wir in Vohemar. Da Uve an Zeitmangel leidet, fahren wir mitsamt Fahrrädern in einem LKW mit von Vohemar nach Diego Suarez, was den ganzen Tag dauert. Bei einem Zwischenstopp in Ambilobe bleibe ich beim LKW, um auf unser Hab und Gut aufzupassen und Uve geht zum Essen in ein Restaurant. Dort wird er angesprochen, wo er denn herkomme. Als er sagt, aus Deutschland, sagt ihm sein Gesprächspartner, daß in Vohemar auch gerade zwei Deutsche seien - aber mit Fahrrädern. Uve klärt den armen Kerl nicht auf. Der würde sich bestimmt sehr freuen.

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Reispflanzerin im Hochland
Reispflanzerin im Hochland


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Ich bin allein auf dem Weg von Ihosy nach Ambovombe und bis zur Dämmerung geradelt. Etwa 120 km sind wieder geschafft, aber ich bin es doch auch ein wenig. Da es laut Karte in Manankoliva kein Hotel gibt, frage ich den nächstbesten Menschen, der mir begegnet, ob ich hier im Ort übernachten könne. Selbstverständlich kann ich hier übernachten, in der Schule ist Platz. Ich werde aufgefordert, mitzukommen. Ich bin noch nicht lange in der Schule, da kommt der Lehrer und bestimmt, daß ich bei ihm zu Hause schlafe. Der liebe Mann macht etwas zum Essen und bestimmt anschließend, daß ich auf seiner Matratze, die am Boden liegt, schlafen soll. Meinen wiederholten Protest ignoriert er, er schlafe woanders. Also füge ich mich und lege mich auf der Matratze zum Schlafen. Nach etwa zehn Minuten in der Dunkelheit höre ich neben mir ein Rascheln. Ich mache die Taschenlampe an und richte sie auf den Karton mit den zwei Mangos, der etwa einen Meter neben meinem Kopfende an der Wand steht. Eine Ratte flüchtet sogleich in die Ecke des Raums, klettert flott am Eckbalken hoch ins Dach. Eine der Mangos hat jetzt deutliche Fraßspuren. Ich stelle dann den Karton so weit es geht zur Ecke. Einige Zeit später raschelt es wieder. Ich mache meine Taschenlampe an, richte sie auf die Ecke mit dem Karton und sehe zwei Ratten, die den gleichen Fluchtweg antreten. Mir bleibt also nur das Eine: Ohrenstöpsel auspacken und in die Ohren stecken, damit ich störungsfrei einschlafen kann. Am nächsten Morgen haben die Mangos dann etwas mehr abgenommen. Der Lehrer lacht, als ich ihm von den Ratten erzähle und meint, das sei normal. Also lache ich auch, bedanke mich für die Gastfreundschaft und mache mich auf die Weiterfahrt.

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Didiereaceen bald nach Antanimora
Didiereaceen südlich von Antanimora


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Im Hotel in Fort Dauphin, komplett aus Holz gebaut, liege ich unter meinem Moskitonetz und bin noch wach. Plötzlich ist draußen laut polterndes Rennen auf der Treppe zu hören, lautes Klopfen an eine Tür, sehr aufgeregtes Rufen. Es brennt - ich weiß es sofort. Zwei Männer halten kurz im Flur Zwiesprache und dann poltern beide über die Treppe. Ich drehe mich mit dem Kopf zum Fenster, um zu sehen ob draußen schon der Flammenschein zu sehen ist. Nein. Also liegenbleiben. Die Männer trampeln jetzt wieder von oben die Treppe runter, unterbrochen von Zwischenrufen. Es werden mehr Leute, die die Treppe hoch und runter trampeln, permanent geht das Getrampel jetzt. Ich liege ruhig im Bett unter meinem Moskitonetz. Das Getrampel geht eine Weile. Dann bekomme ich plötzlich den Brandgeruch in die Nase und beschließe, mir das Ganze einmal anzusehen. Ich nehme meine Taschenlampe, krieche unter dem Moskitonetz hervor und begebe mich auf den Weg zum Brand. Unterm Dach angekommen stelle ich fest, daß der Brand schon gelöscht ist. Ein Bett war durch eine vergessene Kerze auf dem Nachttisch in Brand geraten und hatte die schrägen Dachbalken darüber schon gut angekohlt. Kleine Teile des Kapoks der Matratze, die schon auf dem Boden schwimmen, glühen noch ein bißchen. Dabei steht das Wasser wohl schon über einen Zentimeter am Boden! Und die Leute kommen und schütten auf jedes winzige bißchen Glut neue Schüsseln Wasser. Ich sage ihnen dann, daß sie das lassen sollen und die Glut im Wasser austreten sollen, denn irgendwo muß das Wasser ja danach hin! Also fängt es bald an zu regnen - in meinem Nachbarzimmer. Geschwärztes Wasser! Und da drunter hat der Gérant sein Zimmer. Da fängt es anschließend auch zu regnen an - sieht lustig aus :-) ich muß total lachen.

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Sisalplantage bei Amboasary
Sisalplantage bei Amboasary


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Ich bin gerade mit einem LKW, aus Fort Dauphin kommend, in Tulear angekommen, weil mir auf der Piste doch zu viel Sand war. Hier gehe ich dann bei Air Madagascar ins Stadtbüro und setze mich dort auf eine Wartebank. Auf der anderen Seite sitzen zwei alte Männer, von denen ich aufschnappen kann: "De Fort Dauphin à Tulear avec bicyclette? C´est pas possible! Bla, bla, bla...." Deutsch: "Von Fort Dauphin nach Tulear mit dem Fahrrad? Das ist unmöglich! Bla, bla, bla...." Erst Stunden später geht mir dann ein Licht auf: Die haben über mich geredet!
Nachrichten sind eben schnell in Madagaskar!